Sonntag, 6. Mai 2012

Auf dem Esch

"Auf dem Esch" nördlich der Einmündung des Heldenhain in Richtung Norden gesehen. Die großen Platanen sind mittlerweile so prachtvoll wie die einst gefällten Alleebäume aus der Kaiserzeit. An diesem Teil des Esch befindet sich ein gemischtes Gewerbe- und Wohngebiet. Hier gibt es eigentlich nichts zu verbessern. 

  
"Auf dem Esch" von der Innenstadt in Richtung Norden gesehen. Vorne rechts eine der Ruinen, dahinter "Friseur Koopmann", daran anschließend die zweite Ruine (das gelbe Haus). Auf der linken Straßenseite sieht man den im Jahre 2012 durch Verschmälerung der Straße geschaffenen Grünstreifen mit neuen Alleebäumen.

Seit Jahrzehnten stehen in Diepholz am Esch zwei leerstehende und verfallende Häuser. Offenbar gelingt es der Stadt nicht, oder sie ist nicht gewillt, die Eigentümer zum Abriß zu motivieren. Die Angelegenheit ist deshalb  besonders brisant, weil die Ruinen an einer Hauptausfallstraße stehen, über die zahlreiche Gäste nach Diepholz kommen. Außerdem besteht bei solchen Ruinen immer Brand- und Einsturzgefahr. Die Ruinen verschandeln das Stadtbild. Es wird dringend Zeit, daß dort etwas geschieht. Allerdings sollte bei einem Abriß darauf geachtet werden, daß keine häßlichen Baulücken für Jahrzehnte zurückbleiben, sondern daß der Abriß in einen umgehend zu realisierenden Sanierungsplan eingebunden wird. Die Diskussion um die Ruinen auf Facebook haben mich dazu bewogen, hier mal eine kleine Beschreibung der Straße "Auf dem Esch" zu geben.



Eines der ganz wenigen erhaltenen historischen Häuser am Esch. Es wurde perfekt restauriert und ist ein Vorbild. Es geht also; es muß nicht immer alles Alte, das vermeintlich "nicht denkmalschutzwürdig" ist, abgerissen werden. Vermutlich stammt das Gebäude aus dem ausgehenden 19.Jahrhundert. Die Hecke im Vordergund grenzt die Straße "Auf dem Esch" vom Marktplatz ab - in menen Augen überflüssig.


Das niederdeutsche Wort "Esch" bzw. das ostfriesische "Esk" bedeutet etwa "Saat, Feldflur". Die Esche waren ursprünglich die gemeinsamen Ackerfluren germanischer Siedlungen. Am nördlich der Diepholzer Innenstadt liegenden Eschfeld soll eine germanische Ursiedlung gelegen haben, die aber nicht als Ursprung der Stadt Diepholz gilt. Dieser war eine neue Siedlung, die mit dem Bau der Burg im Bereich der heutigen Innenstadt entstand. Das alte Eschfeld verlieh Edelherr Johann III. im Jahre 1380 den Diepholzer Stadtbürgern. Von Mitte des 16. Jahrhunderts bis 1890 stand auf dem Esch eine Windmühle. Der östliche Bereich des Esch (Bereich Eschfeldstraße) wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der nordwestliche Bereich ("Am Kapellenkamp") nach dem Zweiten Weltkrieg bebaut, während der südwestliche, an den Kohlhöfen grenzende Bereich bis heute in Form des großen Marktplatz erhalten blieb. 

Die Straße "Auf dem Esch" , die mitten durch das Esch führt, wurde erst im Jahre 1812 unter französischer Besatzung als Hauptverkehrsweg in Richtung Bremen angelegt. Dieser löste den alten Weg Richtung Bremen über Kohlhöfen, Philosophenweg und Kapellenweg ab. Daher ist die Bebauung an der Straße "Auf dem Esch" relativ jung. Vielen Diepholzern noch sehr bekannt ist die im Jahre 1872 erbaute, legendäre "Kaiserhalle", eine Kneipe mit Saalbetrieb. Sie war bis zu ihrem Abriß in den 1970er Jahren einer der wichtigsten Veranstaltungsorte in Diepholz. Heute befindet sich dort das Geschäftshaus "Hammer". 


Vor 1812, als es die Straße "Auf dem Esch" noch nicht gab, war der nördlich des Friedhof vom Philosophenweg abzweigende Kapellenweg die Straße in Richtung Bremen. Der Kapellenweg existiert noch heute, ist für den Kfz-Verkehr gesperrt und führt durch ein modernes Wohngebiet. In meiner Jugendzeit war dort noch "freies Feld". Zum Glück hat man die Allee-Bäume stehen lassen.


Mit der Verkehrsberuhigung des Kohlhöfen und der Verlegung der B 69 Richtung Vechta/Oldenburg auf den Heldenhain Anfang der 1970er Jahre wurde das Teilstück der Straße "Auf dem Esch" zwischen Bremer Eck und Kreuzung "Am Heldenhain" zu einer Hauptverkehrsmagistrale ersten Ranges. Entsprechend breit wurde sie ausgebaut, die prachtvollen Alleebäume gefällt, welche vermutlich bereits in der Kaiserzeit gepflanzt worden waren. Mit der Fertigstellung der Umgehungsstraße um Diepholz für den Fernverkehr im Jahre 2008 verlor "Auf dem Esch" seine Bedeutung als Fernverkehrsmagistrale. Er ist heute eine Stadtstraße wie jede andere, wenn auch eine Ausfallstraße. Sie wurde Anfang 2012 entsprechend verschmälert und auf der Westseite mit neuen Alleebäumen versehen.

An der Westseite der Straße "Auf dem Esch" befindet sich noch heute der große Marktplatz. Er wird aber seit den 1980er Jahren nicht mehr für Wochenmärkte, sondern nur noch für die Vergnügungsmärkte (Großmarkt, Frühjahrsmarkt) und Sonderveranstaltungen (z.B. Zirkus) genutzt. Mein Vorschlag für den Marktplatz ist, ihn mehr als durchgehende Grünachse zwischen Bremer Eck und Heldenhain auszubauen, unter Einbeziehung von ehem. "Schwarzes Garten"  (am Bremer Eck), dem neuen Brachgrundstück an der abgerissenen Aral-Tankstelle am Heldenhain und dem Heldenhain. Dieser Bereich sollte - soweit wegen der Großmärkte möglich -  verstärkt parkähnlich gestaltet und dadurch als allgemeiner Freitzeitbereich nutzbar werden. Die extrem häßlich wirkende derzeitige Nutzung des Marktplatzes als sonntäglicher Lkw-Abstellplatz sollte abgeschafft werden. Für die Straße "Auf dem Esch" wäre eine Sanierung mit möglichst hochwertiger Architektur wünschenswert, eventuell mit Geschäftshäusern als Erweiterung der Innenstadt, damit der Bereich dem "Skyline-Charakter", den man vom Marktplatz aus bei der Betrachtung des Esch hat, gerecht wird.




Der an den Marktplatz nördlich angrenzende Heldenhain sollte in die Grünachse "Esch" vom Bremer Eck bis zur Straße "Am Heldenhain" integriert werden. Der Zaun zwischen Marktplatz und Heldenhain (im Hintergrund zu sehen) ist überflüssig. Noch dringlicher wäre eine sichtbegrenzende Bepflanzung hinter dem Kriegerdenkmal aus den 1920er Jahren für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges, denn dort hat man zur Zeit als Hintergrund einen spießigen Privatgarten, weshalb man das Denkmal noch nicht einmal fotografieren kann (dieses Foto zeigt das ältere Denkmal für die Gefallenen von 1870/71). 



"Auf dem Esch" vom Marktplatz aus gesehen. Der Bereich wirkt wenig ansprechend, birgt aber einiges Potenzial. Interessant und wichtig ist der vorhandene Bestand an großen Bäumen. Ein modernes Gebäude in Top-Architektur anstelle der Ruine (Mitte) würde die Zeile deutlich aufwerten. Der Radweg verläuft auf der Maktplatzseite, also diesseits der Hecke. Die überflüssige Hecke sollte meiner Meinung nach verschwinden. Die asphaltierten Wege im Vordergund dienen den Großmärkten, die jährlich auf dem Marktplatz stattfinden. 


  
Dieses Foto soll den "Skyline-Charakter" des Esch zeigen. Das geht natürlich nur sehr bedingt, weil es sich nicht um eine Panorama-Aufnahme handelt. Es zeigt das Esch vom Wohnmobil-Stellplatz aus gesehen. Im Vordergund befindet sich der westlich des Matktplatzes verlaufende "Schwarze Weg" mit seinen Alleebäumen, dahinter der Marktplatz. Im Hintergrund sieht man die Häuserzeile des Esch mit den beiden Ruinen (links und rechts), dazwischen Friseur Koopmann. Ich denke, mein Vorschlag für eine hier möglichst repräsentative Bebauung ist nachvollziehbar, zumal dies nicht nur der Marktplatz, also ein zentraler Ort der Stadt, sondern auch der Anblick von Diepholz ist, den die Wohnmobil-Fahrer, also Gäste (Touristen) von Diepholz haben.




1 Kommentar:

  1. Aktualisierung: Im Lauf des Jahres 2015 wurden die beiden Ruinen am Esch beseitigt.

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