Sonntag, 27. Mai 2012

Trakehnerhof


Der leerstehende Trakehnerhof im Jahre 2012 vom Postdamm aus gesehen



Das Lohneufer an der Rückseite des Trakehnerhof ist ein sehr romantischer Bereich. Die großen Bäume gehören zum ehemaligen Bier- und Kaffeegarten des Hotels



Der "Gasthof Stadt Osnabrück" auf einer alten Postkarte (vermutlich aus den 1920er oder 30er Jahren). Im Hintergrund die Vorwerksbrücke. Die Lohne war damals deutlich breiter als heute.



Wieder stirbt ein Stück Diepholzer Tradition: Am 25 Mai 2012 meldete das "Diepholzer Kreisblatt", daß das seit vielen Jahren leerstehende und verfallende ehemalige Hotel "Trakehnerhof" am Postdamm unmittelbar südlich des Schlosses demnächst abgerissen wird. Der Postdamm mit der "Vorwerksbrücke" über die Lohne entstand im Auftrag der kurfürstlich hannoverschen Regierung im Jahre 1798 im Zuge des Baus der "Neuen Holländischen Poststraße". Er verband den Willenberg mit der Langen Straße und machte dadurch den Umweg des Verkehrs in und aus Richtung Osnabrück über den nördlichen Willenberg und den Pohl überflüssig. Mit dem Bau des südlichen Teils der Umgehungsstraße Ende der 1960er Jahre verloren die Lange Straße und der Postdamm ihre Funktion als Fernverkehrsstraßen und wurde zu einfachen Stadtstraßen. 

Bereits im Jahre 1860, also noch zur Zeit des Königreich Hannover, entstand am Postdamm südlich der Schloßinsel der "Gasthof Stadt Osnabrück" (der spätere Trakehnerhof). Sein Bier- und Kaffeegarten grenzte unmittbar an das Ufer der Lohne, weshalb sich hier ein Bootsverleih und auch eine Flußbadeanstalt (ab 1877) etablierte. Die Flußbadeanstalt bestand bis zum Bau des Freibades in den 1930er Jahren. Der Gasthof war ein beliebtes Ausflugsziel.



Der Trakehnerhof vom Lohneufer aus gesehen




Das alte Gaststättenschild




Die Rückseite des Trakehnerhof


Später wurde der Gasthof zu einem Hotel mit Restaurant und Biergarten. 1977 kaufte Carl Stolte das Grundstück mit Gebäude und machte es mit einem neuen Pächter zum "Trakehnerhof". Doch spätestens seitdem hier kein Durchgangsverkehr mehr vorbeiführte ging der Umsatz der Gastronomie trotz der außerordentlich prädestinierten Lage am Lohneufer nahe Schloß und Münte zurück. Die Pächter wechselten mehrmals. Keiner von ihnen hatte ein erfolgreiches Konzept. Ab 1999 verpachtete Stolte das Hotel nicht wieder neu und ließ es leerstehen und verfallen. Rund 10 Jahre lang war es mehr oder weniger als Ruine ein Schandfleck der Stadt.
Nun hat sich der jetzige Eigentümer zum Verkauf entschlossen. Ein Bauträger aus Vechta hat bei der Stadt Diepholz eine Bauvoranfrage gestellt. Geplant ist der Abriß des Trakehnerhof und der Bau von zwei großen Villen (Wohnhäuser) mit jeweils 8 Wohnungen. Aufgrund der Lage werden dies vermutlich Luxuswohnungen sein. Details sind aber noch nicht bekannt, auch nicht über die Architektur der Gebäude. Die Stadt steht noch in Verhandlungen mit dem Bauträger. Sobald die Genehmigung erteilt ist, wird mit dem Abriß begonnen. Grundsätzlich ist die Sache wohl zu begrüßen. Schöner wäre aber ein Hotel-Neubau in einem passenden Klinker und/oder Fachwerkstil, der sich in das historische Stadtbild bei Münte und Schloß ein- und an die Tradition des Gasthofes bzw. Hotels "Stadt Osnabrück" anfügen würde. In Diepholz fehlt ohnehin ein attraktives Hotel. Die Lage wäre ideal. Aber auch die geplanten Wohnhäuser können durchaus eine Bereicherung sein, vorausgesetzt, die Architektur paßt in das Gesamtbild. Der Zug scheint aber bereits abgefahren zu sein, und nun kann es nur noch darum gehen, wenigstens die prachtvollen Bäume am Lohneufer zu erhalten. 



Die prachtvollen Bäume des einstigen Bier- und Kaffeegartens




Der Trakehnerhof vom Müntepark aus gesehen



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