Samstag, 24. August 2013

Maschstrasse

Die charakteristischen Wohnhäuser an der Maschstraße im Heimatschutzstil aus der NS-Zeit bzw. den 50er Jahren sind zum Teil noch erhalten, wenn auch teils durch neue Fassaden überbaut. Hier wirkt die Maschstraße wie seit den 50er Jahren unverändert.





Das Gasthaus "Sonnenschein" entstand 1951 an der Ecke Maschstraße/Immelmannstraße im Heimatschutzstil zunächst unter dem Namen "Masch-Terrassen". Nach der Reaktivierung des Fliegerhorst im Jahre 1956 war es als "Sonnenschein" eine beliebte Soldatenkneipe. Zuletzt stand sie jahrelang leer und wurde im Winter 2012 schließlich abgerissen. Das Foto entstand nach begonnenen Abrißarbeiten "in letzter Minute."



 
Das "Haus Herrenweide" entstand mitten im Kalten Krieg in den 1970er Jahren an der Ecke Maschstraße/Von-Braun-Straße im Stil der damals üblichen "Grauen Architektur" als offizielle Begegnungsstätte der "Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung der Bundesrepublik Deutschland". Es bekam die martialische Bezeichnung "Soldatenheim". Heute ist das "Haus Herrenweide" eines der wichtigesten Veranstaltungsorte in Diepholz, vergleichbar mit der früheren "Kaiserhalle" am Esch. Es ist gleichzeitig Restaurant-, Saal-, und Hotelbetrieb.



 




Die Maschstraße führt ins wohl größte und wichtigste Gewerbe- und Industriegebiet der Stadt. Gleichzeitig ist sie die Zufahrt zum Fliegerhorst. Da liegt es in der Natur der Sache, daß dieser Bereich nicht gerade "schön", sondern eher unansehnlich ist. Dennoch ist es interessant, sich dort einmal umzuschauen. 

Laut Guttzeit befand sich an der Stelle der Maschstraße bereits 1720 ein Weg, der den Willenberg mit den Junkernhäusern (ein Gut der von Voß) verbunden hat. Dieser Weg ist auch auf der Karte von 1773 verzeichnet. Er hatte demnach aber keinen identischen Verlauf mit der späteren Maschstraße. Auf der Karte von 1897 erkennt man bereits einen begradigten landwirtschaftlichen Weg, der dem Verlauf der heutigen Maschstraße entspricht. Der Ausbau der Straße, die zunächst "Hermann-Göring-Straße" genannt wurde,  erfolgte 1934-36 als Zufahrt zum gleichzeitig erbauten Militär-Fliegerhorst. Erscheinungsbild, Charakter und Leben der Straße wurden entsprechend vom Militär geprägt. Eine kurze Beschreibung des Fliegerhorst hier. Bebaut wurde die Straße zunächst mit den charakteristischen kleinen Wohnhäusern für Militärangehörige und Zivilbedienstete im damals üblichen, sogenannten "Heimatschutzstil". Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Umbenennung der "Hermann-Göring-Straße" in "Maschstraße" entstand im Jahre 1951 an der Ecke Maschstraße/Immelmannstraße in eben diesem Baustil das Gasthaus "Masch-Terrassen", das nach der Reaktivierung des Fliegerhorst zu der beliebten Soldatenkneipe "Sonnenschein" wurde. 

Ab den 1970er Jahren siedelte sich zunehmend Gewerbe an der Maschstraße an. In jener Zeit entstand auch das sogenannte "Soldatenheim" zur Soldatenbetreuung und als Begegnungsstätte von Militärs und zivilen Bürgern der Stadt. Mit der stetigen Verkleinerung der Garnison und ihrer abnehmenden Bedeutung nannte sich das "Soldatenheim" später fast nur noch "Haus Herrenweide"  und wurde zu einem der wichtigsten Veranstaltungsorte in Diepholz mit großer Gastronomie, Hotel und Saalbetrieb. Bedauerlich ist, daß dieser Veranstaltungsort so weit außerhalb der Innenstadt liegt, denn so etwas könnte auch zur Belebung der Innenstadt beitragen. 

In den letzten Jahren siedelten sich weitere Industrie- und Gewerbebetriebe im Bereich der Maschstraße an, darunter die "ZF Friedrichshafen", was sich für das Arbeitsplatzangebot und die Steuereinnahmen der Stadt (hoffentlich) entsprechend günstig auswirkt. Die Luftwaffe wird allerdings voraussichtlich ab 2018, spätestens 2023 abziehen und den Fliegerhorst schließen. Wenn eine Konversion des Fliegerhorst in Industrie und Gewerbe gelingt, wird die Maschstraße in dieser Hinsicht entsprechend weiter an Bedeutung gewinnen.



 
Einfahrt in den Fliegerhorst (links). Das Wachhaus ist seit der NS-Zeit nur wenig verändert worden.





Blick von der Fliegerhorstausfahrt auf die Maschstraße in Richtung Stadt. Das Straßenbild ist hier von zahreichen Gewerbebetrieben geprägt.




Rock, Jazz, etcetera! An der Maschstraße befindet sich der Sitz des Plattenlabels "DA Music"



 
 Die öffentliche Tankstelle der Spedition Wiechers



 
Eine der Hallen der "ZF Friedrichshafen". Die "Architektur" ist erschlagend und schrecklich, dafür aber ehrlich. Sie bringt die heutige Industrie-Arbeitswelt zum Ausdruck wie sie ist.


 
Daß man auch heute noch kunstvolle Industriearchitektur bauen kann wenn man nur will, beweisen die Gebäude der Firma "Lebensbaum, Ulrich Walter", einem der bekanntesten Lieferanten von Bio-Läden und Hersteller von Bio-Produkten.





1 Kommentar:

  1. Das "Haus Herrenweide" (Soldatenheim) schließt am 20. März 2016. Ob es neu verpachtet oder das Gebäude zum Verkauf angeboten wird, ist noch unklar. Das meldete das Diepholzer Kreisblatt am 03. März 2016.

    AntwortenLöschen