Samstag, 5. Oktober 2013

Pohl

Der Pohl aus südlicher Richtung gesehen. Am linken Bildrand ist die ehemalige Gaststätte "Ernie Bruns" ("Goldfingerbar") zu sehen. Bei dem gelben Gebäude in der Mitte handelt es sich um Restbauten des ehemaligen Schlachthofes.





Die Einmündung der Steinstraße in den Pohl




An der Steinstraße befindet sich am Gebäude des Malermeisters Kläning diese eindrucksvolle Fassadenkunst aus dem Jahre 1934, noch ganz im Stil der 1920er Jahre.




Am Pohl laufen die Flöthestraße, die Lüderstraße, der Willenberg, die Steinstraße und der Parkweg sternförmig zusammen. Der Pohl ist bereits auf der Karte von 1773 verzeichnet, jedoch ohne die Flöthestraße. Willenberg und Steinstraße waren bis zum Bau des Postdamm (1798) der Fernweg Richtung Osnabrück. Der Parkweg führte damals lediglich zu den Moorhäusern und zur Dustmühle. Eine direkte Verbindung nach Kroge/Steinfeld gab es damals noch nicht; man gelangte nur über Vechta oder "bei trockener Jahreszeit" über den Lehmder Damm ins Oldenburgische. Die Chaussee (die spätere B 214) nach Kroge über den Parkweg entstand vermutlich erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Auf der Karte von 1897 ist sie bereits verzeichnet. Der Name "Pohl" für den Platz mit Straßenkreuzung geht auf einen Feuerlöschteich (Pool) zurück, der hier früher lag. Bis zum Bau des Durchstichs der B 214 direkt zum Bremer Eck gegen Ende der 1960er Jahre lief der gesamte West-Ost-Fernverkehr über den Parkweg, den Pohl und die Steinstraße. Steinstraße und Parkweg waren als B 214 die westliche Ausfallstraße. Somit war der Bereich Teil der Altstadt. Der Pohl hat bis heute ein wenig Innenstadtcharakter behalten.

Besonders markant war am Pohl lange Zeit das erste Kino in Diepholz, die sogenannte "Schauburg". Das Saal-Gebäude wurde 1905 an die Gaststätte "Ernie Bruns" (damals Conrad Bruns) angebaut, 1913 als Kino in Betrieb genommen und 1949 modernisiert. Trotz der Konkurrenz durch das aufkommende Fernsehen und des neuen Kinos, das unter dem Namen "Central Theater" ("Kino Meyer") 1952 an der Wellestraße eröffnete, konnte sich "Kino Bruns" bis 1965 halten. Danach wurde die Schauburg noch eine zeitlang von "Kino Meyer" als Zweitkino genutzt. Ich habe dort als Kind noch so manchen Western gesehen. 1984 wurde es dann zu einem Geschäftshaus umgebaut.

Ein weiteres erwähnenswertes Gebäude am Pohl ist der Restbau des ehemaligen Schlachthofes. Er wurde 1913 als "Fleischwaren- und Konservenfabrik Hans Finke" gegründet. Die Firma ging jedoch 1952 pleite. Der Schlachthof wurde ab 1955 als genossenschaftlicher Betrieb durch die "Centralgenossenschaft für Viehverwertung Hannover" weitergeführt. 1973 schloß der Schlachthof, der sich zuletzt "Landwirtschaftliche Fleischzentrale LFZ" nannte, endgültig. Die Gebäude wurden teils abgerissen. An ihrer Stelle befindet sich heute ein Supermarkt mit Parkplatz. Die wenigen, noch vorhandenen Gebäudereste des Schlachthofes werden als Geschäftshaus genutzt.   




Der Pohl vom Parkweg (aus Richtung Steinfeld) gesehenIm Hintergrund ist der Schloßturm zu sehen.




Originalgemäuer des alten Kinos von hinten (vom Parkweg aus) gesehen.





Blick vom Pohl in den Parkweg Richtung Westen (Richtung Steinfeld). Diese Straße war die B 214 bis zum Bau des Durchstiches am Bremer Eck Ende der 1960er Jahre. Die Häuser sind als historische Bausubstanz erkennbar.




Nahe dem westlichen Ortsausgang des Parkweg (früher B 214) befindet sich noch ein einziger ehemaliger Bauernhof. 



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