Sonntag, 17. August 2014

An der Bahn

 
Blick von der Straße "An der Bahn" auf das historische Bahnhofsgebäude. Halblinks befindet sich der ZOB. Er wurde zusammen mit dem Bau des Bahnhofstunnels und der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes eingerichtet. Früher befanden sich hier die an allen Bahnhöfen üblichen Lagerplätze und Schuppen.





Sehr romantisch: An der Bahn Hausnummer 13 steht schon seit vielen Jahren leer. Es ist ein ehemaliges Wohnhaus mit kleiner Bauerei vermutlich aus dem frühen 20. Jahrhundert. Das Haus gehört zu den wenigen Resten der ältesten Bebauung der Straße. Es befindet sich zwischen den Einmündungen der Luisenstraße und dem Weizenkamp.





Die alte Garage des Hauses Nr.13 aus der Frühzeit des Automobils.





Blick vom Haus Nr.13 in Richtung Schloß und Innenstadt.




"An der Bahn" heißt die Straße, die gegenüber der Grafenstraße von der Bahnhofstraße abzweigt und entlang des Bahndammes ca. 7 km weit nach Süden bis in den Bereich der Gemeinde Lembruch führt. Vermutlich wurde der Weg 1871 zusammen mit dem Bau der Eisenbahnstrecke  angelegt. Auf der Karte von 1897 ist er bereits vorhanden, aber nur bis Hartlage durchgehend und direkt parallel des Bahndammes. Laut Guttzeit wurde "An der Bahn" erst 1932 zum öffentlichen Gemeindeweg erklärt.

Im Bereich des Bahnhofs Diepholz war "An der Bahn" von entsprechenden Lagerschuppen und Lagerplätzen gesäumt. Die Bebauung mit Wohnhäusern war nur sehr gering. Erst nach dem Bau der Verbindungsstraße von "An der Bahn" zum Willenberg Anfang des 21. Jahrhunderts wurde "An der Bahn" zwischen dem Bahnhof und dieser Verbindungsstraße mit neuen Wohnhäusern bebaut. Dazu gehört auch der Bereich an der Barlager Hüde, einem kleinen Kanal des alten Stadtgrabensystems, der die Lohne mit der Strothe verband und heute verrohrt ist. Dort stand bis in die 1980er Jahre ein mächtiger, 1948 erbauter Wasserturm zum Auftanken der Dampflokomotiven. Dieser bezog sein Wasser aus der Barlager Hüde. Der Wasserturm war im Baustil der NS-Zeit angelegt und dadurch so markant und exemplarisch, daß er 1979 von dem Fotografie-Künstler-Ehepaar Bernd und Hilla Becher fotografiert wurde. Das Foto befindet sich in ihrem großformatigen Buch "Wassertürme" (ISBN 3-88814-255-5) auf Seite 221.

Etwa 1 km südlich des früheren Wasserturmes befindet sich direkt "An der Bahn" die Abzweigung der Strothe von der Lohne. Wann diese Abzweigung angelegt worden ist, ist mir nicht bekannt. Auf der Karte von 1897 ist sie noch nicht vorhanden. Damals war die Strothe noch ein Naturfluß, der keine unmittelbare Verbindung zur Lohne hatte, sondern im Bereich Hartlage entsprang und bei St.Hülfe in die Grawiede mündete. Die oben erwähnte Abzweigung war von der Kaiserzeit bis in die 1960er Jahre ein beliebter (inoffizieller) Badeplatz, der im Volksmund "Deutsches Eck" genannt wurde. Der Name entstand vermutlich ebenfalls in der Kaiserzeit. 

Im weiteren Verlauf "An der Bahn" in Richtung Süden etwa 600 m südlich des "Deutschen Eck" kreuzt die Straße den heute stillgelegten Anschluß der Fliegerhorst-Bahn an die Hauptstecke. Die Anschlußstelle verfügt über ein weiteres Neben- oder Abstellgleis. Hier wurden früher die Übergabezüge von der Bundesbahn abgestellt und von einer kleinen Bundeswehr-Diesellok mit Tarnanstrich abgeholt. 

Der gesamte Bereich von "An der Bahn" vom Bahnwärterhaus bis zum Endpunkt kurz vor Lembruch ist noch heute bis auf zwei kleine Gehöfte, zwei weitere Wohnhäuser und weitere ehemalige Bahnwärterhäuser, die aber auf der Ostseite der Bahngleise stehen, unbesiedelt.   




Der alte Güterschuppen an der Einmündung Nährweg.





Blick von der Straße "An der Bahn" in Richtung Süden am Bahnwärterhaus





Die Abzweigung der Strothe von der Lohne wird im Volksmund "Deutsches Eck" genannt. Sie war früher ein beliebter Badeplatz.





"An der Bahn" in Richtung Norden (stadteinwärts) gesehen. Im Vordergrund das stillgelegte Anschlußgleis der Fliegerhorst-Bahn. 





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